Warum der Relaunch der Mittelbayerischen Zeitung aus meiner Sicht misslungen ist

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Warum der Relaunch der Mittelbayerischen Zeitung aus meiner Sicht misslungen ist

16
Apr,2015

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Bildschirmfoto 2015-04-16 um 09.33.49Modern sieht sie ja aus, die neue Website der Mittelbayerischen Zeitung aus Regensburg. Aber nicht immer ist modern auch benutzerfreundlich. Das zeigt sich auch an diesem Beispiel.

Los geht es bei der Navigation. Die MZ ist eine regionale Zeitung. So sehe ich sie zumindest. Ich erwarte Nachrichten aus Regensburg. Also habe ich mal versucht, mich zu den Nachrichten aus Regensburg durchzuklicken.

Startseite. Oeben steht was von Region. Passt ja, denke ich mir und begebe mich mitdem Mauszeiger dort hin. Ein Popdown geht  auf, viele Unterpunkte und darunter „Regensburg-Stadt“. Gefunden denke ich mir und wundere mich was der Pfeil daneben bedeuten soll. Noch ein Untermenü? Ich zeige mit dem Mauszeiger darauf, aber nichts passiert. Also klicke ich und lande auf der gewünschten Seite. Allerdings werden mir nur 5 Artikel angezeigt, rechts in einer Art Ticker noch fünf mehr. Aber das kann doch nicht alles sein? Oh. Oben ist in den Breadcrumbs noch ein Punkt nach „Regensburg-Stadt“. Stadtteile steht da und klingt eigentlich gut. Denn man ist als Regensburger nicht nur seiner Stadt, sondern auch seinem Stadtteil ein wenig verbunden. Also drauf geklickt und ich lande im Stadtteil. Ja in welchem eigentlich?

Bildschirmfoto 2015-04-16 um 09.43.57Auf den ersten Blick ist das der Stadtteil „Altstadt“. Weiter unten aber dann Artikel aus Burgweinting, Steinweg, Königswiesen,… Seltsam. Aber ich kann den Ort ja wechseln. Also da drauf klicken und ich bekomme eine Auswahl der Regensburger Stadtteile. Konradsiedlung-Wutzlhofen. Da will ich hin. Und tatsächlich bekomme ich großteils Meldungen aus meinem Stadtteil. Aber auch welche, die so gar nicht passen wollen. Ein Artikel vom Sallerner Berg (Ortsteil Sallern-Gallingkofen), eine, die vom Stadtteil „Stadtosten“ spricht, welchen es nicht gibt und eine über das Siemens-Gymnasium, das aber im Stadtteil Reinhausen beheimatet ist. So ganz das gelbe vom Ei ist das also noch nicht.

Dann ist da noch das leidige Thema Bilder. Warum auch immer man sich nicht das Lightbox-Plugin oder ein kostenloses Plagiat davon geleistet hat verstehe ich nicht. Oft denke ich mir „Oh. Ein Bild! Das schau ich mir genauer an.“ Klick und man landet auf einer eigenen Seite in der nur das Bild eingebaut ist. Zurück gehts nur über den Back-Button des Browsers oder einen recht unscheinbaren Link über dem Bild. Auch schon mal mehr Usability gesehen.

Aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum ich der Mittelbayerischen als Informationsquelle Lebewohl sagen werde.

Vor einiger Zeit habe ich übrigens die zweite Papier-„Zeitung“ in Regensburg von meiner Liste der Informationsquellen entfernt. Sowohl auf Totholz als auch in diesem Neuland konsumiere ich keine Nachrichten dieses Anzeigenblatts mehr. Im Wochenblatt wurde im Stil der BILD-Zeitung munter vor sich hin geschrieben ohne die Angaben zu überprüfen. Mit Duldung des und sogar durch den „Chefredakteur“ selbst. Jetzt werde ich mich also auch von meiner anderen Informationsquelle verabschieden.

Die von mir auf der Website der MZ konsumierten Artikel waren eigentlich immer nur regionale. Das überregionale hole ich mir bei den großen Verlagen wie SZ, Welt und anderen. Und die Artikel der MZ habe ich in der Regel dann gelesen, wenn sie mir über Google+, Facebook oder Twitter in den News-Stream geschwemmt wurden. Ich habe Seitenaufrufe fabriziert und dadurch (wenn auch sehr geringe) Werbeeinnahmen für die Zeitung erzeugt. Ich habe Artikel geteilt und dadurch wieder dafür gesorgt, dass Leute die Artikel lesen und Werbe-Einblendungen erzeugen. Es war quasi ein Geben und Nehmen. Dass ich für meine Klicks mehr erhalte (regionale Informationen) als ich gebe (Cent-Bruchteile der Werbe-Einnahmen), ist mir durchaus bewusst.

Aber jetzt kommt der große Rundum-Schlag mit dem sich meiner Meinung nach die MZ mächtig ins Knie geschossen hat.

Bildschirmfoto 2015-04-16 um 10.10.42Der eigentliche Grund ist, dass die Inhalte der Website in Zukunft kostenpflichtig werden sollen. Stolze 7,99 Euro veranschlagt der Verlag für die Nutzung der Inhalte. Gut. Damit kann ich alle Inhalte nutzen. Wie gesagt hole ich mir die Meldungen aus Wirtschaft, Politik und Zeitgeschehen nicht bei der MZ, sondern wo anders. Von der MZ erwarte ich das, was sie im Artikel zum Relaunch versprochen hat. Regionale Inhalte. Viele davon. Doch das meiste, was die MZ derzeit in diesem Bereich an Meldungen produziert interessiert mich nicht. Und die anderen Meldungen sind mir keine 7,99 Euro pro Monat wert. Polizeimeldungen erhalte ich auch da wo sie die MZ her hat: von der Polizei. Die Pressemitteilungen der Stadt bekomme ich auch von der Stadt. Die Menge an übrig bleibenden Artikeln, die mir entgehen werden, falls ich kein Abo abschließe ist überschaubar. Wahrscheinlich kann ich auch davon viele auf andere Weise bekommen oder ohnehin auf sie verzichten. Das an der Danziger Freiheit wie jedes Jahr der Osterschmuck angebracht wurde bekomme ich auch mit, wenn mir Zigaretten oder Brötchen beim Bäcker hole. Und so bleibt beim Kosten-Nutzen-Vergleich eine Menge von vielleicht 10 Artikel im Monat. 80 Cent pro Artikel ist mir aber zu viel. Zumal ich ja nicht absehen kann, ob ich überhaupt so viele Artikel konsumieren werde. Und so hat das Web-Abo etwas von einer Mitgliedschaft in einem Fitness-Center. Ich muss konsumieren, damit sich das Abo rechnet. Das will ich aber nicht.

Im Netz gibt es so viele Möglichkeiten. Auch was die Bezahlung von Informationen angeht. Richard Gutjahr hat da ein nettes Beispiel vorgestellt vor einem Jahr. Laterpay. Man konsumiert und bezahlt, wenn man eine bestimmte Menge konsumiert hat. So kann ich Artikel für wenige Cent kaufen und lesen und wenn ich dann 5 Euro zusammen habe, zahle ich. So ein Artikel kann ja durchaus 20 oder 30 Cent wert sein, je nach Inhalt und Zusatzinfos. So kommt im laufe von höchstens zwei Monaten die Summe an Geld zusammen, die ich dann bezahlen muss. Wahrscheinlich wäre auch, dass ich mehr konsumiere, weil es ja nur Cent-Beträge sind. Die MZ hat also die Wahl zwischen 5 Euro in ein bis zwei Monaten und nichts.

Jetzt also nichts. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass für die Artikel der MZ, die im Internet auftauchen irgendwer 7,99 Euro zahlt. Was mit den Totholz-Kunden passiert ist noch dazu völlig unklar. Für Neukunden gibt es die Webinhalte immerhin noch für 4,99 Euro on the top. Für Bestandskunden gibt es scheinbar keine Möglichkeit, die Webinhalte vergünstigt zusätzlich zu beziehen. Kundenpflege sieht meiner Meinung nach anders aus.

Laterpay hatte ich übrigens einem alten Klassenkameraden, der für die MZ arbeitet vorgeschlagen. Dass die MZ also nichts von diesem meiner Meinung nach fairen und guten Bezahl-Konzept wusste, kann also nicht sein. Bis 04.05. werde ich also noch Inhalte auf der MZ-Website konsumieren, dann endet die „Gratis für Alle“ Phase. Ob ich mir den kostenlosen Zugang um einen Monat verlängere, weiß ich noch nicht. Danach ist aber auf jeden Fall Schluss. Und da mir die Inhalte dann ja nicht mehr zur Verfügung stehen, werde ich auch auf Twitter, Facebook und Google+ nicht mehr dem Rauschen aus dem Blätterwald der MZ zuhören.

In diesem Sinne. Es war nett mit dir. Ich bin mit dir aufgewachsen, groß geworden und habe schöne Zeiten mit dir erlebt. Aber jetzt dann gehen wir beide getrennte Wege, liebe Mittelbayerische. Live long and prosper.

 

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