Schlüsseldienst-Zentralen in Deutschland

Wieso kamen so viele Anrufe?

Zu meiner Zeit gab es ja immer noch Menschen, die Telefonnummern in Telefonbüchern nachschlugen. Die Vertreter der dazugehörigen Telefonbuchverlage waren häufig bei uns im Büro um mal eben ein paar Anzeigen zu akqurieren. Doch nicht jeder glaubt der Werbung und so musste man auch dafür sorgen, dass alle anderen dazu neigten, genau diesen einen Schlüsseldienst zu beauftragen.

Die Masche in den Telefonbüchern

In den Telefonbüchern ging das zum Einen über Anzeigen. So genannte Störer, die auffällig waren und an den passenden Stellen im Alphabet eingeschoben wurden. Oder gleich ganz vorne oder hinten. Die Andere Möglichkeit war es, unter all den tausenden Schlüsseldiensten ganz vorne zu stehen. Vorne im Alphabet steht der Buchstabe “A”. Also nannte man die Firmen “AAAAA.A Aufsperrdienst Schlüsseldienst Hastenichtgesehen” und ähnlich. Egal wie der Firmenname lauten sollte, vorne mussten ein paar “A” stehen. Oder auch “0-24 Uhr”. Hauptsache ganz weit vorne im Alphabet. Doch um 2002 herum veränderte sich die Gesellschaft. Man griff seltener zum Telefonbuch und rief viel öfter bei der Auskunft an. Oder man war im Besitz eines Smartphones und konnte sich auf Telefonauskunft-Websites die Rufnummer selbst heraussuchen. Das führte zwangsläufig zum nächsten Trick.

Die vorgetäuschten Standorte

Screenshot der Webite gelbeseiten.de mit Schlüsseldiensten in Regensburg
Ein Auszug aus der Website der gelben Seiten. Die Firma Remus sitzt nicht in Regensburg

Alleine in unserem Büro gab es fast ein Regal voll mit Aktenordnern, die widerum voll waren mit Mobilfunkverträgen und dazugehörigen Karten. Keine einzige dieser Karten war wirklich in einem Mobiltelefon. Die wurden alle einmal eingelegt, auf eine bestimmte Nebenstelle der Telefonanlage umgeleitet und dann sauber und ordentlich abgeheftet. Zu den meisten Verträgen gab es damals auch noch etwas, das sich “Homezone” nannte. Einen bestimmten Bereich in dem man unter einer Festnetznummer erreichbar war. Dazu brauchte man natürlich eine Adresse. Und diese Adressen wurden sehr penibel ausgesucht. Zu Beginn ließ man einfach nur alle zwei oder drei Straßen eine Telefonnummer eintragen. Das funktionierte problemlos. Keiner fragte, ob man da wirklich wohnte oder ein Geschäft hatte. Aber es würde ja auffallen, wenn man in einer Stadt wie München plötzlich 300 Schlüsseldienste mit dem selben Namen in den Auskunfteien finden würde. Dafür gab es einen weiteren Trick.

Die tausend Namen der Notdienstzenralen

Auszug aus dem Handelsregister Regensburg. Schlüsseldienste.
Auszug aus dem Handelsregister Regensburg. Schlüsseldienste.Beispiele für krative Namensfindungen bei Schlüsseldiensten.

Jeder Monteur, der für die Firma arbeitet, musste ja auch ein Gewerbe anmelden. Im Handelsregister Regensburg fand man zu Hochzeiten zum Beispiel rund zehn bis zwanzig Schlüsseldienste. Mit diesen Anmeldungen konnte man jetzt quasi jeden Eintrag in der Datenbank, aus der sich sowohl Telefonbücher als auch Anrufauskunfteien ihre Informationen holten mit einem anderen Namen versehen. Perfekt wurde das System dann, wenn man die Rudnummer inklusive fiktiver Straße zwar für die Telefonauskunft anmeldete, nicht aber für das Telefonbuch, da die Auskünfte dazu übergingen, dem Kunden immer den nächstgelegenen Notdienst zu vermitteln. Wenn man dann alle 500 Meter einen Eintrag vornehmen ließ, war der eigene Eintrag in 90 % aller Fälle auch der nächstgelegene. Doch das funktionierte auch nicht ewig.

Die Premiumnummern der 11880

Da es relativ schnell Anordnungen gab, dass nur dort mit Adresse geworben werden durfte, wo auch tatsächlich ein Monteur oder Laden war, standen schnell viele Eintragungen ohne Straße in den Datenbanken. Die 11880 hatte dafür aber etwas, dass genau dieses Problem behob. Den Bronze- bzw. Silber-Eintrag.

Das waren Einträge, die auf der Website bewvorzugt angezeigt wurden. Ob diese Nummern auch bevorzugt an Anrufer herausgegeben wurden, kann ich allerdings nicht sagen. Und das Internet war damals ja noch Neuland. Dieses Neuland bietet aber jetzt viele praktische Möglichkeiten, Menschen übers Ohr zu hauen die sich ausgesperrt haben.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.